Doping Ausgabe 1/2016 – Beitrag zu eves

Ein Artikel des WADA-Codes sagt aus, dass jeder Athlet für die in seinen Körper zugeführten Produkte und welche in seinem Organismus gefunden wurden verantwortlich ist. Hier setzt das Magazin »Doping – das Anti-Doping-Magazin für Wettkampfsportler, Vereine und Verbände« an.
Wettkampfsportler, Vereine und Verbände müssen sich im Kampf gegen Doping ständig auf dem Laufenden halten, um nicht selbst in die Doping-Falle zu tappen. Die Informationsmöglichkeiten sind aber nach wie vor rar. Doping – das Anti- Doping-Magazin für Wettkampfsportler, Vereine und Verbände schafft Abhilfe und bietet ab Januar 2016 regelmäßig aktuelle und zuverlässige Fachinformationen. Viermal im Jahr erhalten Abonnenten zu einem Bezugspreis von 80 Euro umfassende Infos zu aktuellen Entwicklungen und Hintergründen aus den Bereichen Sport, Recht und Medizin.
Das Magazin ist eine Weiterentwicklung eines früheren Magazins. Jetzt stehen vor allem die Sportler im Mittelpunkt des Service-Hefts.
»Doping – das Anti-Doping-Magazin für Wettkampfsportler, Vereine und Verbände« bietet den Sportlern eine aktive Hilfe mit praktischen Tipps und vielen Informationsmöglichkeiten.
Den Artikel zu eves sowie das Interview mit Jonas Plass gibt es hier zum Download.

Laputa und die Großen Ritterspiele

Laputa_-_GrandvilleDie Insel Laputa schwebt seit jeher über den Wolken. Deren Bewohner genießen die gute Luft, das exotische Essen und die Abgeschiedenheit in vollen Zügen und geben sich ganz dem Streben nach besseren Leistungen in deren Lieblingsbeschäftigung hin: Dem Sport. Das ruft bei den Erdgebundenen allenthalben Neid und Missgunst hervor, denn bekanntlich macht das Training in großen Höhen stark und schnell und bei den regelmäßig stattfindenden Ritterspielen bringen die Laputianer immer haufenweise Gold mit nach Hause.
Gerne würde der Rest der Welt wissen, ob die Menschen aus Laputien wegen der dort wachsenden Kräuter und nicht nur wegen der Höhenluft so famose Sportler sind? Aber vor den Kontrollen muss immer erst eine Bohnenranke gepflanzt werden, mit deren Hilfe man hinauf nach Laputien klettern kann. Das ist auf Dauer viel zu mühsam, weshalb es nur wenige Kontrollen von Nicht-Laputianern gibt.
Aber weil in Laputien niemand mit einer Kontrolle gerechnet hat, ist es gewitzten Detektiven der »Wir-Achten-Darauf-Agentur (WADA)« doch tatsächlich gelungen, den Laputischen Despoten nachzuweisen, dass sie mit verbotenen Kräutern nachgeholfen haben. Als Konsequenz hat der erdgebundene »Internationale-Ausschuss-Alteingesessener-Funtionäre (IAAF)« beschlossen: Laputien darf bis auf weiteres nicht an regelmäßig stattfindenden Ritterspielen teilnehmen. Punktum!
Das aber passte dem großmächtigen »Internationalen-Opportunistischen-Komittee (IOC)«, dem Gastgeber der alle vier Jahre wiederkehrenden Ritterspiele (einem Ereignis mit großem weltweiten Ansehen und – ganz nebenbei, einer wichtigen Geldquelle) gar nicht. Um benachteiligten Sportlern zu helfen, hatte dieses dereinst ganz uneigennützig beschlossen, dass Flüchtlinge, Heimat- oder mittellose Athleten als Ritter unter der Flagge des IOC teilnehmen dürfen*.
Für solche Länder, die ihre Athleten gezwungen haben, die verbotenen Kräuter zu nehmen (damit dem Land noch größerer Ruhm zuteil werde), ist dies ein willkommenes Hintertürchen. Auf diese Weise gelingt es, sich über das Urteil der IAAF und WADA hinwegzusetzen und beliebten Athleten die Teilnahme an den Spielen doch noch zu ermöglichen. Zur Mehrung von Ruhm und Ehre – und zum Füllen des eigenen Goldbeutels. Denn Zuschauer wollen selbstverständlich nur den Besten der Besten zujubeln. Versteht sich.
Wird es in Zukunft zwei Klassen von Ritterspielen geben – mit und ohne Einsatz leistungssteigernder Kräuter? Wie auch immer: Die Bewohner der Insel Laputa werden auch weiterhin über allem stehen, mit der Gewissheit, dass Ruhm und Geld mehr wert sind als Fairness und Anstand.
Schaut mal nach oben – vielleicht schwebt die Insel ja gerade über euren Köpfen.
(Unabhängige Olympiateilnehmer)

Happy New Year

Ein sportpolitisch turbulentes Jahr geht zu Ende: Korruption und Vetternwirtschaft bei der FIFA, systematisches Doping in Russland verbunden mit der Veröffentlichung »freundschaftlicher« Emails zwischen dem WADA Präsidenten und dem russischen Sportministerium, ein stark kritisiertes Anti-Doping Gesetz in Deutschland, eine skandalöse Gewichtheber WM, neben den Veröffentlichungen von Hajo Seppelt in der ARD auch die bislang in Deutschland wenig beachtete Dokumentation von Al Jazeera, bedenkliche Personalpolitik des neuen, chinesischen Eigentümers der Ironman Serie, Vertuschung von Doping bei der IAAF und deren schweigender Präsident sowie der andauernde Kampf der Claudia Pechstein gegen NADA und WADA.
Weiterhin aussehend ist der zweite Teil des Berichts der unabhängigen WADA Kommission und die Veröffentlichung der Freiburger Anti-Doping Kommission.
Zudem (oder u.a. aufgrund dieser Vorfälle) die Absage der Hamburger Bürger an das IOC.
Vielleicht markiert dieses Jahr – getreu dem Motto: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende – einen Wendepunkt im Spitzensport. Es wäre wünschenswert! Sicher ist, dass Reformen, neue Köpfe und eine öffentliche Diskussion über die Rolle und Aufgabe des Spitzensportes benötigt werden. Wir werden sehen was 2016 bringen mag.
Ansonsten wünschen wir einen guten Rutsch und nur das Beste für 2016. Für die (Sommer-)Sportler unter euch natürlich einen guten Start in das Olympiajahr und erfolgreiche Wettkämpfe.
Guten Rutsch

Private Regulierung und öffentliches Vertrauen. Warum vermehrte Transparenz den Kampf gegen Doping stärken könnte

Der Anti-Doping-Kampf basiert weitgehend auf privater Regulierung, bedarf aber öffentlichen Vertrauens.
Der Beitrag setzt sich mit den Implikationen dieser Feststellung auseinander um dafür zu plädieren, dass vermehrte Transparenz den Anti-Doping-Kampf stärken könnte. Da der World Anti-Doping Code (WADC) der rechtlich unverbindliche Text einer Nichtregierungsorganisation (NRO) ist, finden weder strafrechtliche Normen der Beweisführung, noch die üblichen Begründungsanforderungen in parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren zwingend Anwendung.
Vor diesem Hintergrund könnte vermehrte Transparenz dazu helfen, epistemologische Herausforderungen des gegenwärtig sehr komplexen Anti-Doping-Kampfes zu lösen, die Rechte angeklagter Athleten zu schützen sowie öffentliches Vertrauen wiederherzustellen.
Aufgrund jüngster Politikdebatten sowie Anti-Doping-Verfahren wird dafür argumentiert, dass eine freiwillige Abweichung von einigen gegenwärtig maßgebenden Prinzipien der Anti-Doping-Governance den Anti-Doping-Kampf zukunftsfähiger machen könnte. Das System (nicht die Athleten) sollte seine Fähigkeit, Verfahren fair zu führen, glaubhaft machen.
Aufgrund der zunehmenden Beteiligung öffentlicher Behörden an Anti-Doping sowie des quasi-strafrechtlichen Charakters der Sanktionen erscheint eine Annäherung an öffentlich-rechtliche Normen naheliegend.
Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, Jahrgang 66, Nr. 05 (2015): Zum Artikel (in englischer Sprache)