IOC Anti-Doping Forschungsantrag

Auch 2015 wurden vom Internationalen Olympischen Komitee Fördergelder für Anti-Doping Forschungsprojekte ausgeschrieben. Damit sollen Projekte unterstützt werden, die zu maßgeblichen Veränderungen in der Durchführung von Anti-Doping Programmen führen und einen unmittelbaren positiven Einfluss auf das tägliche Leben sauberer Athleten haben.
Selbstverständlich haben auch wir unseren Antrag eingereicht. Die wesentlichen Abschnitte – Hypothese, Ziele und Vorgehen – hier zum Nachlesen.

Forschungshypothese:

Die erfolgreiche Durchführung von Doping-Kontrollen ist bislang abhängig von der Genauigkeit der Whereabouts Angaben in ADAMS.
Umfragen zeigen jedoch, dass Doping-Kontrollen nicht durchgeführt werden konnten, weil die Athleten aus folgenden Gründen nicht angetroffen wurden. (1) der Aufenthaltsort der Athleten änderte sich zu kurzfristig; (2) zu ungenaue Ortsangaben der Athleten; (3) der Kontrolleur konnte den Aufenthaltsort mangels Ortskenntnis nicht finden.
Darüber hinaus zeigt eine Einschätzung führender Datenschützer, dass die Erhebung und Speicherung der Whereabouts in ADAMS in ihrer gegenwärtigen Form vielfach mit nationalem und europäischem Datenschutzrecht kollidiert (»Datenschutzrechtliche Bewertung der Melde- und Kontrollpflichten im Rahmen von Anti-Dopingprogrammen, die die von SP.IN vertretenen Athleten betreffen« Wedde, 2011. »Datenschutz und Dopingbekämpfung« Wagner, Weichert, 2011. »Vereinbarkeit des WADA-Codes und des ADAMS-Systems mit Datenschutzbestimmungen« BfDI, 2009. »Dopingbekämpfung und Datenschutz« Weichert, DANA 4/2011.).
Wenn die Lokalisierung von Athleten aufgrund von Ortungstechnologien jederzeit möglich ist, dann kann ein System entwickelt werden, welches die rechtlichen Belange datenschutzkonform berücksichtigt und den Freiheitsgrad für Athleten erhöht. Der Erfolg lässt sich am Rückgang von Kontrollversäumnissen messen.

Projektziele:

Das primäre Ziel des Projektvorhabens eves ist die Erforschung des Einsatzes eines dedizierten mobilen Endgeräts, das einem autorisierten Doping-Kontrolleur im Falle einer angesetzten Dopingkontrolle datenschutzkonform die genaue temporäre Position des Athleten anzeigt. Das eves-Device lässt sich zu diesem Zweck leicht in den Datenerfassungsprozess von ADAMS integrieren und unterstützt die Interaktion zwischen den Athleten, den Kontrollorganen sowie den Anti-Doping-Agenturen. Im Speziellen ermöglicht eves Athleten eine flexible und individuelle Lebensführung und sorgt gleichzeitig für das effektive und effiziente Auffinden der Athleten im Kontrollfall.
Wichtig für das Design des Gesamtsystems sowie der Prozesse ist es, die Sicherheitsanforderungen und Datenschutzbedenken sowohl der Athleten als auch der Kontrolleure einzubeziehen. Eves stellt daher insbesondere sicher, dass das neuartige mobile Eves-Device zur Lokalisierung der Athleten den unterschiedlichen internationalen Datenschutzgesetzen und –regularien genügt. Die Referenz für die Umsetzung wird das strenge deutsche Datenschutzgesetz bilden.
Dies bedeutet u.a.: (1) Die Erhebung von Positionsdaten von Athleten ist fest an die jeweilige Dopingkontrolle gebunden und wird nicht weiterverarbeitet oder drittverwertet. (2) Unautorisierte oder willkürliche Lokalisierungen von Athleten oder gar die Erstellung von Bewegungsprofilen ist dank eines datenschutzfreundlichen Systemdesigns nicht möglich. (3) Alle Lokalisierungsvorgänge, d.h. die Tatsache, dass man lokalisiert wurde, werden hingegen festgehalten und können von Athleten im Nachgang von Dopingkontrollen eingesehen werden.

Effektivität:
Bei der tagesaktuellen Planung von Kontrollen nutzt der DCO die Angaben der Whereabouts. Je genauer die Ortsangaben des Athleten hinterlegt sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit ihn dort anzutreffen. Im Umkehrschluss hat der Athlet dadurch die Möglichkeit indirekt Einfluss auf die Zeitfenster für Kontrollen zu nehmen. Durch den Einsatz von eves verliert die Qualität der im Vorfeld hinterlegten Ortsangaben an Bedeutung, da die Position des Athleten unabhängig von den Whereabouts ermittelt werden kann.
Effizienz:
Nationale und internationale Anti-Doping Agenturen können durch den Einsatz von eves Zeit in der Vorbereitung von Doping Kontrollen einsparen. Die Anzahl der erfolglosen Kontrollversuche wird sich vermindern und damit auch der bürokratische Aufwand für die Rechfertigung nach versäumten Kontollversuchen abnehmen.
Gebrauchstauglichkeit:
Für die Leistungssportler soll durch den Einsatz von eves einen Zugewinn an persönlicher Freiheit – nicht jede Ortsveränderung muss online angezeigt werden – geschaffen werden. Eves wird die von dem Athleten in ADAMS hinterlegten Aufenthaltsorte (»Whereabouts«) zunächst ergänzen. Wenn Abweichungen zwischen den Ortsangaben und dem tatsächlichen Aufenthaltsort bestehen (z.B. spontane Reiseänderungen bei Streik, Krankheit, familiären Verpflichtungen), soll der Prüfer mit Hilfe von eves den Athleten zukünftig dennoch antreffen können. Für den Athleten bedeutet der Einsatz, dass er sich weniger Sorge um einen fehlgeschlagenen (»Missed«) Test machen muss.
Internationalisierung:
Das eves System nutzt die weltweit verfügbaren Standards zur Positionsbestimmung (GPS/GNSS) und Kommunikation (GSM). Zugang zum Internet, wie er aktuell bei der Pflege der Whereabouts vorausgesetzt wird, ist nicht notwendig. In Hinblick auf den Datenschutz setzt eves auf die strenge Deutsche bzw. Europäische Gesetzgebung.
Sicherheit und Privacy by Design:
Gleichzeitig bedeutet der Einsatz von eves, dass der Athlet nicht von vornherein, aus Angst vor spontanen Aufenthaltsänderungen, potenzielle Aufenthaltsorte in großer Zahl und entgegen der Forderung an Datensparsamkeit in ADAMS hinterlegen muss. Neben der rein technisch/fachlichen Ausrichtung ist eines der Hauptziele des Forschungsprojektes die Erfüllung der Datenschutzanforderungen und dem »right to be left alone« der Athleten.

In Anlehnung an den IT-Grundschutz und unter Beachtung weiterer Prüfkataloge wie z.B. OWASP werden, gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut AISEC, die Komponenten des Gesamtsystems auf mögliche Gefährdungen untersucht und Risiken bewertet. Dabei geht die Betrachtung über die rein technischen Aspekte hinaus, indem auch Elementare Gefährdungen, Höhere Gewalt, Organisatorische Mängel, Menschliche Fehlhandlungen, Technisches Versagen und Vorsätzliche Handlungen als Risiken betrachtet werden.
Die fachliche Begleitung und Dokumentation des Projekts durch die jeweiligen Experten soll die notwendige Transparenz von eves sicherstellen.

Projekt Zusammenfassung:

1. Forschungsgegenstand

Bei eves handelt es sich um ein Gesamtsystem mit organisatorischen und technischen Komponenten. Für die organisatorischen Komponenten gilt es u.a. die Interaktion zwischen den wesentlichen Rollen DCO und Athleten sowie ADAMS zu definieren. Die technischen Komponenten basieren auf einer Cloud-based Service Oriented Architecture.
Das eves-System und dessen Kommunikation baut auf folgenden Komponenten auf:
eves-Client: Das tragbare Endgerät. Nach Empfang einer autorisierten Positionsanfrage über einen dedizierten verschlüsselten Kanal (SMS) prüft es die aktuelle Position mittels Satellitennavigation oder kombinierter Satelliten/Mobilfunk-Ortung (GNSS oder AGPS). Kann keine aktuelle Position bestimmt werden, wird die letzte verfügbare Position oder eine Fehlermeldung auf demselben Weg wie die Anfrage übermittelt. Die letzte verfügbare Position wird in einem internen Speicher für ein Wertepaar, bestehend aus Längen- und Breitenangabe, vorgehalten.
eves-Server: Ein hochverfügbares System, das in zertifizierten Rechenzentren betrieben werden soll. Innerhalb des Servers ist den einzelnen Athleten ein eineindeutiges Gerät zugeordnet. Anfragen werden über gesicherte Verbindungen (https) entgegengenommen. Die Weiterleitung der Anfrage erfolgt über SMS an das jeweilige Endgerät. Zurückgeliefert wird die Längen- und Breitenangabe der letzten Position des Athleten oder eine Statusmeldung. Protokolliert werden dabei Zeitpunkt und Autorisierung des anfragenden Prüfers, der Status und die Erreichbarkeit des eves-Clients. Der Athlet hat später die Möglichkeit, auf sämtliche im Zusammenhang mit einer Kontrollanfrage über ihn im System hinterlegten Protokolldaten zuzugreifen. Der Server nimmt auch Meldung des eves-Clients zum Zustand des Systems, z.B. bei einem kritischen Ladezustand der Batterie, über SMS entgegen.
ADAMS: Enthält unter anderem die Whereabouts der Athleten. Eine technische Anbindung des Systems erfolgt nicht; lediglich der Prüfer kann die Informationen der beiden Systeme abgleichen.
Prüfer: Der Prüfer erhält eine Liste der Athleten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt getestet werden sollen. Aus dem ADAMS System erhält er online Informationen zu den Whereabouts über eine Web-Schnittstelle. Für jeden Athleten dieser Liste kann er eine Anfrage über eine gesicherte Web-Schnittstelle an den eves-Server richten und erhält, sofern verfügbar, die aktuelle Position des Athleten. Diese Positionsangaben kann er über eine Karten-Applikation mit den Whereabouts aus ADAMS vergleichen und so seine Anfahrtswege optimiert planen. Der eves-Server gibt nur in einem begrenzten Zeitraum Angaben zur Position des für einen Test vorgesehenen Athleten. Jede Anfrage wird protokolliert.
Technische und organisatorische Schutzmaßnahmen: Der Betrieb von eves erfordert die Einbettung der technischen Komponenten in einen sicheren Prozess. Auch wenn dieser zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gestaltet werden kann, müssen folgende Rahmenbedingungen für die datenschutzfreundliche Gestaltung auf jeden Fall eingehalten werden:

  • Produktion und Ausgabe der Ortungsgeräte müssen manipulationsfrei erfolgen.
  • Die Zuweisung eines Prüfauftrags an einen Kontrolleur muss eindeutig und nachvollziehbar erfolgen. Sie darf die einzige Voraussetzung für die Erteilung einer Ortungsbefugnis für den Prüfer bzgl. des zugeteilten Athleten sein. Zuweisung und Ortungsvorgang müssen verfälschungssicher protokolliert werden.
  • Die Ortung nicht zu kontrollierender Athleten und die Ortung durch nicht mit der Kontrolle betraute Prüfer muss wirksam unterbunden werden.
  • Für abgeschlossene Kontrollvorgänge müssen enge Löschfristen für alle Instanzen von Ortungsergebnissen festgelegt werden.

Bei der Entwicklung des eves-Clients stehen folgende Eigenschaften im Vordergrund:

  • Lange Batterielaufzeit und -lebensdauer. Das Gerät wird den Träger über eine Statusleuchte informieren, ob ein Fehler vorliegt. Weitere Informationsanzeigen, beispielsweise über den Status einer Abfrage, sind nicht vorgesehen.
  • Schutz vor Manipulation. Das Gerät wird über keine externen Schnittstellen verfügen. Das Aufladen erfolgt ohne Steckverbindung durch Induktion. Das Gehäuse ist wasserdicht und vollständig gekapselt.
  • Einfache Bedienbarkeit, Selbstbestimmbarkeit und hoher Tragekomfort. Der Athlet kann das Gerät abschalten, beispielsweise wenn er sich in einem Flugzeug oder in einer Klinik befindet.
  • Eine Kennzeichnung, um das versehentliche Vertauschen von Geräten zu verhindern.
  • Schnelle Ermittlung der Position auch innerhalb von geschlossenen Räumen.
  • Sichere und unverfälschbare Übermittlung von Positions- und Statusinformationen ausschließlich zum Zweck der Testanbahnung.

Das tragbare Gerät ermittelt und sendet seinen Standort nur dann, wenn dieser von einem autorisierten Prüfer angefordert wird. Bewegungsprofile können daher nicht erstellt und mithin auch nicht gespeichert werden.

2. Methodisches Vorgehen

2.1 Feldtest

Derzeit laufen die Vorbereitungen für einen Feldtest, bei dem die folgenden Fragestellungen und Hypothesen in Hinblick auf Sicherheit, Nachhaltigkeit, initiale und laufende Kosten sowie technische Machbarkeit untersucht werden.

  1. Welche Methoden der Positionsbestimmung erlauben eine ausreichend genaue Lokalisierung in unterschiedlichen Alltagssituationen (u.a. GPS / GNSS, GSM-Triangulation, WLAN, RF);
  2. Welche Kommunikationswege genügen den hohen Anforderungen an Vertraulichkeit und Integrität der Daten (z.B. GSM, GPRS, WLAN);
  3. Weitere Randbedingungen wie Gebrauchstauglichkeit und Tragekomfort im Alltag, Batterielaufzeit, Material- und Umweltverträglichkeit, Transport und Logistik etc.

Der Test selbst ist ergebnisoffen angelegt mit dem Ziel einer Gesamtlösung, die in Bezug auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und Kosten optimiert ist. Sollte keine signifikante Verbesserung der Testanbahnung zwischen Athleten und Prüfer zu beobachten sein, bleibt zu prüfen, ob der Zugewinn an persönlicher Freiheit und verbessertem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Athleten den Einsatz dennoch rechtfertigen.
Die wesentlichen Rahmenanforderungen in Bezug auf Datenschutz wurden bereits formuliert. Sie weiter zu detaillieren und in die Prozesse zu implementieren ist der nächsten Projektphase vorbehalten, wenn der Test eine grundsätzliche Machbarkeit ergeben hat.

2.2 Identifizierung der zu unterstützenden Aufgaben

Aufgaben: Nach aktuellem Stand sind folgende Kernaufgaben identifiziert worden die ggf. durch ein System, welches auf modernen Ortungstechnologien beruht, unterstützt werden können. Ggf. sind weitere Aufgaben, gemeinsam mit der NADA, zu identifizieren:

  • Die Pflege der »Whereabouts« in ADAMS (Eingaben, Korrekturen) durch die Athleten.
  • Die Lokalisierung der Athleten für die nächste durchzuführende Kontrolle durch die Kontrolleure

Rollen: Als Rollen mit Bezug zum Gesamtsystem wurden die Athleten und die Kontrolleure identifiziert. Ein weiter gefasster Rollenbegriff kann unter anderem die interessierte Öffentlichkeit, Sponsoren, die nationalen und internationalen Anti-Doping-Agenturen sowie das Internationale Olympische Kommittee beinhalten.
Schwachstellen des aktuellen Systems: Das aktuelle System ist nach Schwachstellen in der Nutzung zu untersuchen, um wichtige Nutzungsanforderungen festzustellen, die bei dem Projekt zu berücksichtigen sind. Hierzu kann der standardisiserte ERGONORM- Fragebogen der Fraunhofergesellschaft eingesetzt werden.

2.2.1 Erhebung des Nutzungskontextes

Um die wesentlichen Anforderungen an die neue Anwendung zu identifizieren, ist gemäß ISO 9241 der Nutzungskontext auf Basis der konkreten Aufgaben der Beteiligten festzustellen. Dies geschieht über strukturierte Interwiews der beteiligten Rollen (Athleten sowie Kontrolleure). Ergebnis ist die Beschreibung der Aufgaben und die Identifizierung zu berücksichtigender fachlicher Anforderungen. Idealerweise können die Aufgaben in Form von Programmablaufplänen (PAPs gemäß DIN 66001) beschrieben werden, um sowohl den genauen Ablauf, als auch die damit verbunden fachlichen Anforderungen zu identifizieren.

2.2.2 Identifizierung von Nutzungsanforderungen

Anhand des Nutzungskontextes werden Nutzungsanforderungen identifiziert, die für die Auswahl der technischen Lösung zu berücksichtigen sind. Beispiele für solche Nutzungsanforderungen sind:

  • Der Athlet muss erkennen können, dass er das Modul aufladen muss.
  • Der Athlet muss das Modul überall (»an jeder Steckdose«) aufladen können.
2.3 Fachliche Anforderungen

Die fachlichen Anforderungen werden durch die Anforderungen der WADA an das System und über die Analyse des Nutzungskontextes festgelegt.

2.4 Software Verfeinerung und Prozessdefinition

In dieser Phase des Forschungsprojekts wird eine Anpassung der funktionalen Anforderungen mit einer präzisierten Systemspezifikation vorgenommen. Besonderes Augenmerk wird bei Implementierung, Integration und Test der Soft- und Hardwarekomponenten der Post-Alpha Generation auf die Belange der Datensicherheit und des Datenschutzes gerichtet.

2.5 Erstellung und Einführung der ersten Generation

In der sich anschließenden Projektphase gilt es, das entworfene technisch-organisatorische Verfahren umzusetzen. Eine begrenzte Anzahl von Athleten wird mit der überarbeiteten Version von Moduln ausgestattet. Darüber hinaus ist ein Zentralserver einzurichten und entsprechend der hohen Sicherheitsanforderungen in Betrieb zu nehmen. Mit den beteiligten Institutionen wird eine Verfahrensvorschrift festgelegt.

2.6 Evaluation

An die Phase der Implementierung soll sich nun eine einjährige Evalualtionsphase anschließen. Gewonnen Erfahrungswerte können so in eine verbesserte Software- und Prozessgestaltung einfließen. Ferner lässt sich der Projekterfolg anhand der formulierten Projektziele überprüfen.

Datenschutz? Statement von Dr. Thilo Weichert

Das Doping-Bekämpfungssystem weltweit der WADA und auf deutscher Ebene der NADA ist aus Datenschutzsicht eigentlich nicht akzeptabel: Sportlerinnen und Sportler, die an internationalen Wettbewerben teilnehmen wollen, sind gezwungen, sich einer datenschutzwidrigen, teils menschenunwürdigen Prozedur zu unterwerfen. Ein zentraler Aspekt dieser Prozedur ist die Pflicht, über das System ADAMS der WADA dauernd die eigenen Aufenthaltsorte (die sog. Whereabouts) viele Wochen im Voraus offenzulegen, um für Doping-Kontrolleure unangemeldet jederzeit erreichbar zu sein.
Mit dem System eves werden die systematisch angelegten Datenschutzverstöße bei der NADA bzw. der WADA nicht beseitigt. Doch ist das System geeignet, das Whereabout-Verfahren flexibler und vor allem datenschutzfreundlicher zu gestalten. Gewährleistet wird zum einen, dass kein unüberschaubarer anonymer Kreis von Personen und Stellen in der Lage ist, den persönlichen Aufenthaltsort der Betroffenen auszuspionieren. Zugleich ermöglicht das Verfahren, wenn es von der WADA und der NADA akzeptiert wird, dass der Nachmeldedruck auf die Athletinnen und Athleten abgebaut wird, wodurch eine spontanere Lebensgestaltung möglich wird.
Ich wünsche mir, dass eves bis zur Praxisreife weiterentwickelt und dann global von der WADA, zumindest aber von der NADA angeboten wird. Bestehen bleibt unsere Forderung als Datenschützer, das gesamte Doping-Bekämpfungsverfahren auf datenschutzgerechte und verhältnismäßige Beine zu stellen.
Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein, Dezember 2014.

Data Privacy? Statement by Dr. Thilo Weichert

The worldwide anti-doping system of the WADA and at German level the NADA is in principle unacceptable in terms of data protection: athletes wishing to take part in international competitions are forced to accept a procedure which violates their privacy and is to a certain degree degrading. A key aspect of this procedure is the requirement for the athlete to disclose their whereabouts via the ADAMS system of the WADA on a permanent basis for many weeks at a time so that they are accessible to anti-doping officers at any time without prior notice.
The eves system does not eliminate the systematic violations of privacy by the NADA and the WADA. However, the system is suitable for making the whereabouts procedure more flexible and above all more privacy-friendly. This is possible firstly by ensuring that no unmanageable anonymous circles of persons or organizations are in a position to find out the whereabouts of those concerned. In addition, the procedure also allows, if accepted by the WADA and NADA, late registration pressure on athletes to be reduced and thereby allow for a more spontaneous lifestyle.
I hope that eves is developed further until it is ready for actual use in practice and is then offered by the WADA on a global basis, or at least by the NADA. As data protectionists we continue nevertheless to demand that the entire anti-doping procedures are placed on a footing which is both proportionate and compliant with data protection requirements.
Thilo Weichert, Director of the Independent Center for Privacy Protection Schleswig-Holstein, December 2014.

Von Adams Eva zu ADAMS und eves

Was ist eves? Eves ergänzt das von der WADA, der Welt Anti-Doping Agentur empfohlene ADAMS, das Anti-Doping Admission and Administration System. Es vereinfacht die Pflege der Whereabouts, der Eingaben und Korrekturen der Athleten in ADAMS. Das automatisierte Verfahren auf Basis moderner Ortungstechnologien dient einer optimierten Testanbahnung zwischen Kontrolleuren und Athleten unter besonderer Beachtung datenschutzrechtlicher Aspekte. So können Missed-Tests-Szenarien mithilfe von GPS und SMS effektiv vermieden werden.
Fasse Dich kurz, damit man Dich mag. Wenn ich nun bei Adam und Eva beginne, um ein Projekt namens eves vorzustellen, so ist dies weniger meinem Bedürfnis geschuldet, mich unbeliebt zu machen. Der Sündenfall bildet hier nicht den Auftakt verbaler Inkontinenz.
Warum hat sich Jonas Plass dafür entschieden, die Ergänzung von ADAMS zur Vermeidung von Missed-Tests-Szenarien eves zu nennen? Die Genesis liefert hier Antworten. Fangen wir beim »Mann« an: ADAMS steht für Anti-Doping Admission and Administration System. Es ist das von der WADA, der Welt Anti-Doping Agentur, empfohlene Programm zur Anbahnung von unangekündigten, regelmäßigen Dopingkontrollen professioneller Athleten. Während ADAMS allein es nicht rechtfertigt, einen großen Bogen bis hin den Anfängen der Menschheit zu spannen, ist das Wortpaar aus der vorbezeichneten Abkürzung sowie der kreativen Schöpfung eves geradezu prädestiniert für einen kurzen (!) biblischen Exkurs: So wie Adam und Eva gehören auch ADAMS und eves zusammen. Programm und Projekt eint das Interesse an einem fairen sportlichen Wettbewerb, dem viel zitierten »sauberen Sport«. Und sowohl ADAMS als auch eves wären ohne »Sünde« nicht denkbar, ebenso wenig die Vertreibung der ersten beiden Menschen aus dem Paradies.
(Nicht nur) Männer und Frauen bilden eben Pärchen. Das ist so. »Die Ärzte« haben diesen Umstand treffend als »so normal wie Kaugummi kauen« auf den Punkt gebracht. Warum aber soll ADAMS eves zur Seite gestellt werden? Welche Rolle spielt »sie« in dieser noch jungen Beziehung? Um es vorwegzunehmen: Das Streben nach Emanzipation und Verantwortung ist dem Projekt immanent. Hierauf wird noch ausführlich einzugehen sein.
Den ersten Überblick wird  eine Projektskizze verschaffen: Diese wird neben der Ausgangssituation und der Zielsetzung die beteiligten Institutionen sowie deren Rollen berücksichtigen. In einem nächsten Schritt wird das technische, GPS- und SMS-basierte Konzept von eves vorgestellt: Hervorzuheben ist an dieser Stelle die Entwicklung sowie Implementierung der Technologie unter strikter Beachtung des Datenschutzes der Athleten; deren berechtigte Kritik am status quo über Umfragen und Feldtests konsequent in die Projektrealisierung einfließen wird. Anschließend wird ein kurzer Abriss der weiteren Projektplanung vorhandene, noch auszuschöpfende Potentiale, aber auch Risiken in das Bewusstsein des geneigten Lesers rufen. Eine kritische Auseinandersetzung ist insoweit Triebfeder für die Zukunft von eves. Wir freuen uns darauf, euch auf diesem Wege über die weiteren Projektschritte informieren zu können, aber auch eure Wünsche und Anliegen mit in das Projekt einfließen zu lassen – ein Projekt gemacht von Athleten, für Athleten.