Projekt

Ziel des Projekts PARADISE ist es den Datenschutz und die Nutzerfreundlichkeit der verwendeten Werkzeuge im Dopingkontrollprozess zu untersuchen und zu verbessern. Gleichzeitig sollen Dopingkontrollen so zuverlässig und für Athleten unvorhersehbar wie bisher durchführbar bleiben.

Derzeit müssen Spitzensportler Ihre Aufenthaltsorte für 3 Monate im Voraus in ADAMS eingeben. ADAMS ist das Online-Meldesystem der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Die Verwendung dieses Systems ist die Voraussetzung für die Teilnahme an Wettkämpfen. Auf der Datenbasis sollen Sportler möglichst unvorhersehbar für einen unangekündigten Doping-Test angetroffen werden können. Zudem wird so die Chance auf eine Verschleierung von Dopingverstößen reduziert.

Für die Sportler ist das Offenlegen des Lebensalltags ist ein massiver Eingriff in ihre Privatsphäre. Darüber hinaus wird das aktuelle System auch im Hinblick auf Transparenz, Zweckgebundenheit und Integrität kritisiert. So bleibt zum Beispiel unklar, wer zu welchem Zeitpunkt auf die erhobenen Daten zugreifen kann. Auch der Umfang und die Speicherdauer der Daten scheint höher zu sein, als eigentlich notwendig. Und es wurden sogar schon Datensätze aus ADAMS gestohlen. Dennoch müssen die Sportler immerzu an dem von ihnen angegebenen Ort aufzufinden sein, da den Sportlern bei mehrmaligem Versäumnis eine Wettkampf-Sperre droht. Die reine Pflege des Meldesystems stellt ein Problem für die Athleten dar, weil sie sehr zeitaufwendig ist und zuweilen unflexibel macht. Vor allem unter diesem Gesichtspunkt ist auch eine Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit des Meldesystems sinnvoll.

Nach einem Jahr Projektlaufzeit hat das PARADISE-Team eine Ergänzung zum bisherigen System in einem Demonstrator umgesetzt. Hierbei wird durch eine Reduzierung des Datenaufkommens, durch zweckgebundenen Datenzugriff und Datensicherheit die Privatsphäre von Athleten besser geschützt. Darüber hinaus sind sowohl die Datenzugriffe als auch die Technologie für die Anwender nachvollziehbar. Letztendlich ist auch die Nutzerfreundlichkeit erhöht.

Zentrale Komponente des PARADISE-Systems ist ein Wearable – ein kleines, tragbares Gerät mit dem ein Athlet von einem Kontrolleur lokalisiert werden kann. Was auf den ersten Blick nach erhöhtem Datenaufkommen klingt, dient dessen Reduzierung. Athleten müssen nun nicht mehr ihre exakten Aufenthaltsorte im ADAMS eingeben. Stattdessen reicht dem Kontrolleur im Voraus die Angabe der Stadt, um seine Reise planen zu können. Am Tag der Kontrolle greift er dann auf den genauen Standort über das Wearable zu. Des Weiteren entfällt für Sportler der Eintrag von spontanen Änderungen des Aufenthaltsorts innerhalb einer Stadt – eine enorme Vereinfachung und damit eine Erhöhung der Nutzerfreundlichkeit.

Zum Zeitpunkt einer Standortabfrage muss diese dem Athleten verborgen bleiben, um die Unvorhersehbarkeit der Dopingkontrolle zu gewährleisten. Nach einer erfolgten Kontrolle erlaubt es PARADISE dem Sportler allerdings nachzuvollziehen, wer wann auf seinen Aufenthaltsort zugegriffen hat. Da die relevanten Teile der PARADISE-Software als Open Source zur Verfügung gestellt werden sollen, kann auch die Technologie nachvollziehbar überprüft werden.

Außerdem sind Datenzugriffe im neuen System immer zweckgebunden, z.B. durch die Sicherstellung, dass nur Kontrolleure Standorte abfragen können, die für den Anfragezeitpunkt einen Kontrollauftrag haben. Die Nachvollziehbarkeit der Zugriffe soll vor missbräuchlicher Mehrfachnutzung abschrecken. Ebenfalls werden die Standorte im PARADISE-System nicht gespeichert.

PARADISE erlaubt es Sportlern überdies Bereiche, in denen sie nicht für eine Dopingkontrolle angetroffen werden möchten, als privat zu markieren. Befindet sich ein Athlet während einer Standortabfrage in so einem Bereich, z.B. einem Friedhof, wird dem Kontrolleur ein vergröberter Ort angezeigt. Dann muss er zu einem späteren Zeitpunkt einen erneuten Versuch starten oder wenn er sich sehr nah am privaten Bereich befindet, den Athleten telefonisch kontaktieren, wie bislang auch üblich.

Alle erhobenen Daten werden im PARADISE-System über bewährte Sicherheitsmechanismen sowie attributsbasierte Autorisierung, verteilte Attributsdelegierung und Sealed Cloud Technologie geschützt.

PARADISE kann als Ergänzung zu ADAMS eingesetzt werden. Sportler, die seine Vorteile schätzen, setzen das Wearable auf freiwilliger Basis ein. Wer die Verwendung des Wearable als problematisch ansieht, kann weiterhin ADAMS wie bisher verwenden.

Im zweiten Projektjahr soll der Demonstrator evaluiert und erweitert werden. Darüber hinaus wird geprüft, wie die Technologie auch in anderen Bereichen eingesetzt werden kann, etwa im Rettungs- und Lieferwesen oder auch für Reality Spiele.

© Foto Fraunhofer AISEC
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